Arizona '08  -  Mittwoch, 8.10.2008
of Wolfgang

 
 
Created on 08-04-09
Last updated on 10-05-09
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Nachdem ich meiner „AMI“ mal wieder ein paar Tropfen Super gegönnt habe, brechen wir auf zum Monument Valley. Nach etwa 10 Meilen taucht am Horizont die bekannte Silhouette der drei gigantischen Felsen auf – Kulisse für unzählige Western ... und natürlich der Mutter aller Road Movies: Easy Rider. Aber die Begegnung mit der Realität ist eine herbe Enttäuschung. Das gesamt Gelände ist hermetisch abgeriegelt und wird unbarmherzig vermarktet. Wir verzichten auf eine überteuerte Fahrt im überfüllten Bus, wagen uns mit unseren Motorrädern auf die Sand- und Steinpiste, kommen den Felsen auch ein paar Hundert Meter näher,

dann aber in immer unwegsames Gelände, brechen ab, kehren um und sind
auf und davon „On the road again.“










































Zum Lunch gibt es Hamburger & Co. In der Nähe von Lake Powel machen wir Rast in einem Fast-Food-Restaurant(?), dessen Charme einer Tankstelle zur Ehre gereichen würde. Die einzigen Sitzgelegenheiten befinden sich auf dem gepflasterten Parkplatz, direkt neben den Motorrädern, Autos und Lastwagen. Und dennoch meckert keiner. Wir lassen uns durch nichts und niemanden die Stimmung verderben. Bis auf wenige Scharmützel in einem kleinen Zickenkrieg verläuft alles sehr harmonisch. Wenige Abstimmungen genügen. Es ist leicht, alle unter einen Hut zu bringen. Beeindruckende Anpassungsbereitschaft und Wandlungsfähigkeit zeigt Medi. Sie hat den Habitus der Oberstudienrätin abgelegt, ignoriert die Erwatungshaltung ihres evangelischen Pfarrers, unterdrückt ihren Bildungshunger, stellt ihre Interessen an Landschaft, Land und Leuten zurück – zugunsten von 8 Kulturbanausen, die nur das Motorradfahren im Kopf haben. In einigen wenigen Kommentaren lässt sie erkennen, dass ihre Bedürfnisse etwas kurz kommen. Sie springt über ihren Schatten, macht gute Miene zum bösen Spiel ... und beherrscht den Toyota, als hätte sie schon immer Geländewagen gefahren.






Im Laufe des Tages geht die Sand- und Steinwüste in Prärieland über, in dem die letzten Bisonherden überleben können und sollen. Dann tauchen in den riesigen Flächen aus gelbem Gras erste Büsche und Sträucher auf und dann erstreckt sich Buschsavanne von Horizont zu Horizont. Gegen Abend erreichen wir die White Mountains und damit Agrarlandschaft weißer Farmer. Indianerland haben wir hinter uns gelassen. Die Gegend ist dichter besiedelt, Orte haben eine erkennbare Infrastruktur, die Häuser und ihre Grundstücke wirken deutlich aufgeräumter. Das Best Western Sunrise Inn in Eagar ist allerdings ein hässlicher Klotz mit 2 Geschossen. Dinner oder Drinks bekommt man hier nicht.
Also muss eine Pizzeria herhalten, die sich auf Lieferservice spezialisiert hat und auf Gäste gar nicht eingerichtet ist. Wir reduzieren unsere Ansprüche, verzichten auf guten Geschmack, begnügen uns mit Pizza und Cola ... und das bei bester Stimmung. In einer Tankstelle versorgen wir uns mit dem nötigen Bier und treffen uns zum Ausklang des Abends auf einem kleinen Grünstreifen am Rande des Parkplatzes unseres Hotels.















Irgendein unbekannter Biker hat seine Harley neben unserer Ami abgestellt. Das relativiert das Bild, das wir uns in den letzten Tagen gemacht haben. Im direkten Vergleich wirkt die Triumph etwas unscheinbar. Der breite Hinterreifen, der große Tank, der lederne Sattel, die lange Vordergabel ... die Harley hat die üppigeren Proportionen ... sie wirkt irgendwie erotischer.


 


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